Herzfenster – Die einzige Öffnung

Jeden Tag spüre ich diese Spur von Möglichkeit. Jeden Tag versuche ich ihr zu folgen und muss jedes Mal wieder enttäuscht feststellen, dass sie abrubt aufhört. Oft schon glaubte ich, die Lösung gefunden zu haben, aber dann war es doch wieder nur eine Illusion. Abermals gebe ich auf, abermals schaue ich wieder auf, weil plötzlich ein sanfter Klang mein Gehör erreicht. Immerzu denke ich, die Erleuchtung ist irgendwo da draussen. Ich kann nichts dafür. Ich habe das Bedürfniss, diesen verdammten Grund herauszufinden, obwohl ich weiss, wieviele daran schon gescheitert sind. Im Hinterkopf werde ich die Vermutung nicht los, dass es nichts bringen wird. Trotzdem, um Himmels Willen, will ich es versuchen, mich auf den Weg machen, der Spur folgen. Das Leben ist für mich nicht einfach. Warum? Vielleicht bin ich einfach dumm! Und sowas reimt sich auch noch?! Ich meine, ich bin dumm in der Art, wie ich das Leben lebe. Wenn ich einen Menschen sehe, sein Gesicht, seine Gestalt, seine Ausstrahlung, dann kommt die schwarze Wolke immer näher, die mich umschlingt und abschottet. Ich verkrieche mich in mir selbst irgendwo da drinnen, im Herz vielleicht. Dort wagt es nämlich niemand hinein zu blicken. Ängstlich schaue ich aus dem Herzfenster heraus, die einzige Öffnung die es gibt. Ich lasse den grossen Bruder leben, die Hülle, das Aussehen, die Materie. Aber sie alleine kann nicht leben. Sie allein ist unsicher,verkrampft und instabil.

Es ist einfach, nur da zu stehen. Genauso einfach ist es, die Menschen nur zu beobachten. Und dann verlerne ich wie man kommuniziert. Worte, Mimik, Gestik, Innehalten – plötzlich ist vieles vergessen oder zerfetzt. Mühsam sammle ich die übriggebliebenen Fetzen auf.  Überall in der Vergangenheit sind sie zerstreut. Einmal will ich weise sein, erwachsen, und dann lebendig, ein Kind. Gegensätze sind eine Erfindung der Menschen und existieren nur im Kopf, genauso ist es, wie Hermann Hesse gesprochen hat. Es muss so sein! Ich hoffe, ein Erwachsener im Kind und ein Kind im Erwachsenen sein zu dürfen. Ich bin genauso am Ende wie am Anfang, erschöpft durch den Kampf mit der Welt, lebendig werdend durch die Einstimmigkeit mit mir selbst. Möge der Wind zum richtigen Ort wehen!

Ich habe keine Lust! Oh ja! KEINE LUST! Mein Schrei ist gedacht, aber fühlt sich an wie Stacheln, die aus der Haut spriessen. Mein Zimmer ist unaufgeräumt, die Träume dahingeschmolzen, die Hoffnungen aus dem Fenster geworfen, die Lebenslust unter der schweren Last der Unsinnigkeit erdrückt. Aber HALT! Das Leben ist noch nicht vorbei…

~ von moglars am 30 Mai, 2009.

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